Frühe Hilfen in Essen – Netzwerk begleitet junge Familien

Kenntnisnahme des Umsetzungsstandes im Jugendhilfeausschuss

08.09.2026

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Frühe Hilfen vernetzen diverse Essener Einrichtungen, um Familien rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre frühzeitig zu unterstützen.
  • Familienlotsinnen, Babybesuche und "Sicherer Start" bieten konkrete Hilfe, etwa durch Beratung, Vermittlung und Begleitung. 2025 wurden dabei zahlreiche Familien erreicht.
  • Das Angebot soll weiter ausgebaut werden, unter anderem durch neue Lotsendienste, eine noch engere Zusammenarbeit mit Kitas und Arztpraxen sowie zusätzliche digitale und finanzielle Unterstützung.

Der Jugendhilfeausschuss hat in seiner heutigen Sitzung (08.09.) den Sachbericht zum Umsetzungsstand Frühe Hilfen in Essen zur Kenntnis genommen. Das Netzwerk begleitet Familien rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre. Es bringt unterschiedliche Akteurinnen*Akteure aus Jugendhilfe, Gesundheitswesen und weiteren Bereichen zusammen.

Wer beteiligt sich an dem Netzwerk?

Das Netzwerk hat sich in Essen über viele Jahre entwickelt und wird kontinuierlich ausgebaut. Beteiligt sind unter anderem das Jugend- und das Gesundheitsamt, Geburts- und Kinderkliniken, Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Kinderärztinnen*Kinderärzte, Familienbildungsstätten, Beratungsstellen und Wohlfahrtsverbände. Die zentrale Kooperationsstruktur, die "AG Schwangerschaft und Geburt", kommt regelmäßig zusammen, um Angebote abzustimmen, Versorgungslücken zu erkennen und Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln.

Finanziell unterstützt wird die Arbeit seit 2013 durch die Bundesstiftung Frühe Hilfen. Für Essen stehen 2026 insgesamt 513.201 Euro zur Verfügung. Die Stadt Essen beteiligt sich dabei mit einem kommunalen Eigenanteil von 20 Prozent.

Wie stellt sich die Arbeit der Familienlotsinnen dar?

Ein wichtiger Baustein sind die Familienlotsinnen am Elisabeth-Krankenhaus und am Universitätsklinikum Essen. Sie sprechen Eltern frühzeitig an, informieren über Unterstützungsangebote und helfen dabei, sich im Hilfesystem zurechtzufinden. Bei Bedarf vermitteln sie den Kontakt und können Familien über die Geburt hinaus bis zum dritten Lebensjahr des Kindes begleiten. Die Inanspruchnahme ist freiwillig. Im Jahr 2025 wurden am Universitätsklinikum Essen 788 Familien und am Elisabeth-Krankenhaus 701 Familien beraten.

Was sind Babybesuche?

Seit 2009 gibt es in Essen die Babybesuche. Was zunächst Familien mit ihrem ersten Kind vorbehalten war, wurde inzwischen ausgeweitet. Seit 2020 werden alle Familien mit einem neugeborenen Kind angesprochen.

Die Babybesucherinnen informieren über Unterstützungsmöglichkeiten, beantworten Fragen und vermitteln bei Bedarf. Dabei geht es nicht um Kontrolle, sondern einen unkomplizierten Zugang zu Informationen und Unterstützung. 2025 wurden insgesamt 4.810 Familien angeschrieben. Bei den Erstgeburten konnte in 91,48 Prozent der Fälle ein Kontakt hergestellt werden. Ergänzend gibt es monatliche Sprechstunden in den Essener Stadtbezirken.

Auch neue Wege werden erprobt: Gemeinsam mit dem Jobcenter wurde ein Kooperationsprojekt gestartet, das Familien beim Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützt. Dabei konnten unter anderem Kita-Anmeldungen vorgenommen und in einzelnen Fällen bereits Betreuungsplätze vermittelt werden. Im Bezirk V wirken Mitarbeiterinnen des Babybesuchsteams zudem künftig am Pilotprojekt Kitalotsinnen mit, das Familien mit besonderen Zugangshürden zur Kinderbetreuung intensiver beraten soll.

"Sicherer Start – Chancen geben"

Ein weiterer zentraler Baustein ist das seit 2009 bestehende Angebot "Sicherer Start – Chancen geben". Es unterstützt Schwangere und Familien mit Säuglingen durch kostenlose und niedrigschwellige Begleitung. Je nach individuellem Bedarf können Familien von pädagogischen Fachkräften, Familienhebammen oder Familien-Kinderkrankenschwestern begleitet werden – bereits während der Schwangerschaft und bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes.

Die Fachkräfte unterstützen Familien neben Fragen rund um das Baby auch bei finanziellen und organisatorischen Problemen, vermitteln Ärztinnen*Ärzte, Beratungsstellen, Jobcenter oder weiteren Hilfesystemen und helfen in Krisensituationen.

2025 fanden 1.630 Hausbesuche, 825 Telefonberatungen und 205 Begleitungen zu externen Terminen statt. Zusätzlich wurden 196 themenspezifische Einzelberatungen durchgeführt. Insgesamt wurden 146 Familien begleitet. Die Anforderungen an die Familien werden dabei zunehmend komplexer: Besonders häufig geht es um Armut und finanzielle Unsicherheiten, psychische Belastungen, fehlende soziale Netzwerke, Isolation und Schwierigkeiten beim Zugang zu Gesundheits- und Unterstützungsangeboten.

Wer gehört noch zum Netzwerk dazu?

Die Angebote der Frühen Hilfen sind vielfältig: Schwangerschaftsberatungsstellen, Familienhebammen, Elternbildungsangebote, offene Treffs, ehrenamtliche Unterstützerinnen*Unterstützer sowie spezialisierte Angebote wie die Schreikindambulanz ergänzen das Netzwerk. Auch "wellcome" gehört dazu: Ehrenamtliche unterstützen Familien im ersten Lebensjahr beispielsweise bei der Betreuung des Babys, begleiten sie zu Terminen oder kümmern sich zeitweise um Geschwisterkinder. 2025 wurden 48 Familien begleitet.

Wie und wo werden Unterstützungsangebote gebündelt?

Die vom Land NRW zur Verfügung gestellte Plattform für Information zu Leistungen und Angeboten für Familien ging 2017 online. Essen wirkte an der Weiterentwicklung als Modellkommune mit. Der Aufbau, die Öffentlichkeitsarbeit und Pflege des Portals lag bis 2026 bei der Netzwerkkoordinierung Frühe Hilfen. Seit Mai 2026 wurde die Datenbank zum Familienportal erweitert. Seitdem wird die fachbereichsübergreifende Umsetzung in Zusammenarbeit mit der "Regiestelle kinderstark" für die Stadt Essen ermöglicht. Das Portal ist erreichbar unter www.essen.de/familienportal und bündelt Unterstützungsangebote in Essen.

Was ist noch geplant?

Die Anforderungen an Familien sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Der Bericht zeigt, dass noch zu viele Familien mit Unterstützungsbedarf nicht erreicht werden. Deshalb soll das Netz der Frühen Hilfen weiter ausgebaut werden. Geprüft wird zum Beispiel, ob auch in gynäkologischen sowie Kinder- und Jugendarztpraxen Lotsendienste eingerichtet werden können.

Geprüft werden außerdem eine noch engere Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege, spezifische Angebote für Väter, Beteiligungsmöglichkeiten für Eltern, technische Unterstützung beispielsweise durch Dolmetscher-Apps sowie ein weiterer Ausbau der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Trotz der Mittel der Bundesstiftung und kommunaler Mittel ist die Finanzausstattung gemessen am Bedarf derzeit zu gering. Der Bund plant eine deutliche Erhöhung der Mittel der Bundesstiftung – vorbehaltlich der endgültigen Haushaltsbeschlüsse.

Interessierte finden weitere Informationen in der Vorlage 1229/2026/04 .

Herausgegeben von:

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