Der 30. Juni 2021 ist ein Datum, das in die Geschichte der Stadt Essen eingehen wird. Schließlich beschlossen die Ratsherren und -frauen an diesem Tag nicht irgendeine Ratsvorlage, sondern nach über vier Jahren Planung den Bau und Baubeginn des BürgerRatHauses am Standort des Alten Hauptbades und des ehemaligen JobCenters Essen an der Bernestraße.
Neues vom BürgerRatHaus
Gebäude soll bis Ende 2026 am Standort Bernestraße / Steeler Straße entstehen
Hinweis vom 29.09.2022: Stadt verfolgt Planungen des BürgerRatHauses nicht weiter - Folgenutzung wird erarbeitet
Die Stadt Essen wird die unten beschriebenen, bisherigen Planungen des BürgerRatHauses in der Essener Innenstadt nicht weiter verfolgen. Hintergrund der Entscheidung, die am 28. September 2022 bekannt gegeben wurde, ist die nicht mehr gegebene Wirtschaftlichkeit des Bauprojektes.
Weitere Informationen in der Pressemitteilung der Stadt Essen
Oberbürgermeister Thomas Kufen zum Bau und Baubeginn des BürgerRatHaus in der Ratssitzung am 30. Juni 2021
Das Projekt mit einem Volumen von etwa 161 Millionen Euro wird durch die Trennung von Front- und Back-Office, die Anordnung der Arbeitsplätze im Multi Space sowie die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse die Stadt Essen und die Stadtverwaltung nicht nur organisatorisch und planerisch nachhaltig verändern.
Da waren sich die Gremienmitglieder, der gesamte Geschäftsbereichsvorstand um Oberbürgermeister Thomas Kufen und die Projektleiter Stefan Scheffel und Annette Heydorn einig. "Die dezidierte und ausführliche Prüfung des Entwurfs, die damit verbundene Identifizierung eventuell obsolet gewordener Flächen und die Abstimmung mit dem Generalplaner 'agn Niederberghaus und Partner GmbH' brauchten ihre Zeit. Das nun vorliegende Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen", zeigt Stefan Scheffel sich mit dem bisherigen Projektverlauf sehr zufrieden.Mehr bürgernahe Services an einem Ort
Zur nun abgeschlossenen Planungsphase gehörte unter anderem die kritische Überprüfung der im Entwurf vorgesehenen Flächen. So ermöglichte etwa die Verlagerung des Fitnessbereichs in das von außen nicht einsehbare Untergeschoss die Nutzung zusätzlicher Flächen im Erdgeschoss für bürgernahe Services. Für den Einzug waren bisher die innenstadtnahen Standorte des JobCenters Essen, das Amt für Soziales und Wohnen und Teile des Jugendamtes vorgesehen.
Fassade des BürgerRatHauses wurde komplett überarbeitet
Bereits der erste Blick auf die neue Außenansicht des Entwurfs offenbart eine deutliche Veränderung: Überarbeitet wurde das Fensterraster, um eine durchgehende harmonische Linie vom Erdgeschoss zu den Obergeschossen zu gewährleisten. Vor allem jedoch ist es die Fassadenfarbe, die sich im Vergleich zum Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs komplett verändert hat: An das massive Sockelgeschoss mit Naturstein-Verkleidung schließt sich eine eloxierte Aluminium-Elemente-Fassade an und nimmt so nicht nur die Struktur und Farbgestaltung der benachbarten historischen Gebäude um die Alte Synagoge auf, sondern bindet das BürgerRatHaus in die bestehende Umgebung ein.
Alle Büroräume erhalten ein zu öffnendes Fensterelement zur natürlichen Lüftung. "Jeder Arbeitsplatz ist individuell zu belüften, zu beheizen und zu beleuchten", verkündet Projektleiter Stefan Scheffel nicht ohne Stolz: All das haben sich die Mitarbeiter*innen in der ersten Beteiligungsphase gewünscht. "Dass wir diesem Wunsch entsprechen konnten und zugleich die Sicherheit des Gebäudes nicht einschränken, indem sich die Fensterwangen nur etwa 45 Grad öffnen lassen, zeigt uns einmal mehr, wie wichtig es ist, dass sich die Mitarbeiter*innen der Stadt einmischen, mitmachen, uns ihre Bedarfe nennen und sich alle Beteiligten austauschen." Da überrascht es nicht, dass sich der außen liegende Sonnenschutz ebenfalls – außer bei Orkanböen – individuell steuern lässt und sich der Wunsch vieler Mitarbeiter*innen nach mehr Grün in der Essener City dank Dachbegrünung und Dachterrassen auf dem BürgerRatHaus erfüllt, wie Stefan Scheffel hinzufügt.
Während als Konstruktionsmaterial aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und des Brandschutzes Stahlbeton gewählt wurde, sind für den Fassadenbereich Aluminium und Muschelkalk vorgesehen – ein Konzept, das überzeugt: Die Fassadenelemente lassen sich gut reinigen, sind nachhaltig und optimal recyclingfähig. Als Gegenpol zu den eher cleanen Materialien im Außenbereich ist für den Innenausbau beispielsweise Holz vorgesehen, sodass insgesamt ein heller, offener und wertiger Charakter entsteht.
Virtueller Rundgang
Abbruch der Bestandsgebäude von innen hat begonnen
Schon längst beschlossene Sache ist der Abbruch des alten Hauptbades und des ehemaligen JobCenters, auch bekannt als ehemaliges Gesundheitsamt der Stadt Essen. Den Abrissbeschluss fasste der Rat der Stadt bereits im September 2019, da eine Instandsetzung der Altgebäude nicht rentabel war und die bisherige Bebauung jedwede weitere Nutzung des Geländes verhinderte.
Die gesamte Entkernung wird nach aktuellem Stand etwa ein Jahr dauern, bevor der tatsächliche und sichtbare Abbruch der Gebäude beginnen kann. Die durch den Abbruch entstehende Baugrube soll zugleich für die Erstellung des Neubaus genutzt werden. Dieser wird voraussichtlich ab Januar 2024 errichtet und im Dezember 2026 bezugsfertig sein.
Dauerhaft flexibel
Viele Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung haben in den letzten Monaten die Vorteile des flexiblen Arbeitens, den Wechsel zwischen Homeoffice und dem angestammten Arbeitsplatz im Verwaltungsgebäude, kennengelernt – und damit eventuell auch die damit verbundenen Schwierigkeiten und Grenzen. Die Corona-Krise stellte die Stadt Essen vor ganz neue Herausforderungen, schließlich mussten schnell serviceorientierte digitale Lösungen gefunden und bestehende Prozesse verändert oder optimiert werden, um die Handlungsfähigkeit der Verwaltung zu erhalten. Damit ist die gegenwärtige Pandemie nicht Bremse, sondern vielmehr Katalysator des Projektes.
Wie diese neuen Arbeitswelten, die Bereiche des Multi Space, aber beispielsweise auch die Beratungsbereiche im Front Office oder der Empfang ganz konkret genutzt werden sollen, welche Prozesse dafür optimiert und welche Regeln dafür gegebenenfalls sinnvoll sind, wird nun in einem nächsten Schritt der Mitarbeiter*innenbeteiligung erarbeitet. Die Ergebnisse sollen später in eine Hausordnung für das Gebäude einfließen.
Zukunft = Veränderung