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Umwelt
Stadtverwaltung
15.04.2026
4 Min

Klimaneutralität 2045: Heizung zukunfts­taug­lich machen

Kommunale Wärme­planung der Stadt Essen - Fern- und Nah­wärme in dicht be­bau­ten Vierteln


"Ich behalte meine Pelletheizung, kombiniert mit Solarthermie und Photovoltaik", erzählt Daniel W. Er blickt gelassen in die Zukunft, weil seine Wärme­ver­sorgung die heutigen und wahr­scheinlich künftigen Klima-Anforderungen erfüllt. Wer Eigentum besitzt und die Wärme mit fossilen Brenn­stoffen wie Erdgas oder Erdöl erzeugt, macht sich aller­dings Gedanken, wie es mit der Heizung weitergeht.
Eine Hilfestellung gibt dazu die Kommunale Wärme­planung der Stadt Essen. Sie zeigt unter­schiedliche Prüf­gebiete auf: Wo ist Fern-/Nahwärme möglich, wo sind individuelle Lösungen wie Wärme­pumpen oder Pellet­heizungen wahr­scheinlich? Wasser­stoff wird in Essen für die private Wärme­erzeugung keine flächen­deckende Rolle spielen.
"Die Stadt hat sich mit Energie­ver­sorgern, Netz­be­treibern, Industrie­be­trieben und den Stadt­werken zusammen­gesetzt. Unser Ziel war, heraus­zufinden, wo welche Wärme­erzeugung sinnvoll ist", erklärt Dr. Ing. Lars Knutzen, Sach­gebiets­leitung Wärme- und Energie­wende bei der Grüne Hauptstadt Agentur (GHA).
Die jetzt erstellte Kommunale Wärme­planung präferiert in Gebieten mit hoher Wohndichte Fern- und Nah­wärme­netze, die für angenehme Tempera­turen sorgen. Sie liegen in der Mitte der Stadt, im Norden und in einigen wenigen anderen dicht bebauten Stadt­gebieten.
Die Iqony Fernwärme GmbH steht für die Erweiterung ihres bestehenden Fern­wärme­netzes von rund 476 Kilo­metern Länge bereit.
Auch die Stadtwerke Essen AG prüfen den Neubau von Nah­wärme­netzen. Sie erkunden derzeit an mehreren Standorten die Nutzung bestehender Wärme­quellen. Dazu zählen industrielle Abwärme, Geo­thermie, die Verwendung von Fluss-, Ab- und Gruben­wasser sowie Solar­thermie und Photo­voltaik. "Einen Anschluss- und Benutzungs­zwang an die Fern-/Nahwärmenetze ist in unseren Planungen nicht vorgesehen", betont Dr. Lars Knutzen.

Außerhalb dichter Wohn­bebauung seien dezentrale Lösungen angedacht. Für die Wärme­erzeugung können Wärme­pumpen, Sonnen­energie oder Pellet­heizungen dienen. Nur in einigen Gebieten werde künftig auch Wasser­stoff für die Heiz­zwecke zur Ver­fügung stehen.
In der Kommunalen Wärme­planung sind die jeweiligen Gebiete auf einer Stadt­karte farblich markiert.
Derzeit erzeugen Öl und Gas zu fast 80 Prozent die Wärme in den Essener Gebäuden. Das wird sich bis 2045 ändern müssen.

"Danach sind Öl- und Erdgas­heizungen nicht mehr erlaubt", informiert Lars Knutzen. Das bedeute aber nicht, dass die bestehende Öl- oder Gas­heizung sofort gewechselt werden müsse. Es gibt Über­gangs­fristen für die jeweiligen Anlagen. "Ist eine Brenn­wert­heizung defekt, darf sie auch repariert werden. Einzige Ausnahme: Geht die Heizung kaputt, muss eine neue Heizung 65 Prozent der Energie für die Wärme­erzeugung aus erneuer­baren Energien nutzen", weiß Lars Knutzen. „Da lohnt sich eine Öl- oder Erdgas­heizung nicht mehr. Sie werden im Gegensatz zu umwelt­freundlichen Systemen auch nicht mehr gefördert“, erklärt der Ingenieur. "Es gibt aber keinen Grund, jetzt nervös zu werden", beruhigt Lars Knutzen. "Die GHA bietet Interessierten an, sich von unseren Fach­leuten rund um Heizungen kostenlos und neutral beraten zu lassen. Im GHA-KlimaTreff erläutern sie, welche Möglich­keiten und Förderungen individuell möglich sind." Das gilt auch für alle Fragen rund um die Wärmed­ämmung von Gebäuden.

Beratung rund um Energie und Dämmung beim KlimaTreff

Team der GHA zeigt unab­hängig Sanierungs- und Förder­möglich­keiten für Gebäude auf

"Jedes Gebäude ist anders", erläutern die Diplom-Ingenieurin Silke Kulka und ihr Kollege Ansgar Alm, Diplom-Ingenieur Architekt. "Und die Bedürfnisse ihrer Be­wohnenden sind es auch", betonen die beiden Fach­leute des KlimaTreffs der Grüne Haupt­stadt Agentur (GHA) der Stadt Essen. Sie stehen als unab­hängige Beratende allen Essener*innen zur Ver­fügung, die ein Gebäude ener­getisch sanieren möchten.

Informationen sind die Basis die für ener­ge­tische Beratung

"Je mehr Informationen wir erhalten, desto besser", sagen die beiden. Baujahr, Anzahl der Be­wohnenden, Größe und Art des Hauses, Ge­schossig­keit, Heizungs­anlage (Alter, Art), Verbrauch und bereits durchgeführte Maß­nahmen (Fenster­tausch) sind eine gute Basis für eine Beratung.

Aber auch die Wünsche, Vor­stellungen und zur Ver­fügung stehende Finanz­mittel helfen den Fach­leuten weiter. "Und natürlich muss nicht alles auf einmal passieren", betont Silke Kulka. "Wir helfen auch gern dabei, einen Zeitplan für eine Sanierung auf­zu­stellen."

Bereits einfache und kosten­günstige Schritte können schon Energie einsparen. Dazu zählen "neue Thermostate oder ein hy­draulischer Abgleich. Auch der Einbau einer neuen Umwälz­pumpe bringt schon Erspar­nisse."

Etwas aufwändiger, "aber auch selbst machbar, ist die Dämmung des Dach­bodens oder der Keller­decke sowie die Dämmung von Roll­laden­kästen", sagt Ansgar Alm. "Wer dann die einge­sparten Kosten zur Seite legt, kann damit später die nächsten Investitionen finanzieren."
Die Fachleute des KlimaTreffs unterstützen Hilfe­suchende auch beim Vergleich von An­ge­boten für Diens­tleistungen. "Wer beispiels­weise überlegt, ein E-Auto an­zu­schaffen, sollte auch über eine Photo­voltaik-Anlage nach­denken." Noch wird beim Kauf die Mehr­wert­steuer erstattet und Ein­speise­ver­gütungen bezahlt. "Eine erste Ein­schätzung über die Potentiale der Strom­erzeugung des eigenen Daches ermöglicht das Solar­dach­kataster des Regional­ver­bandes Ruhr (RVR) ", sagen die Fach­leute.

"Im Bereich der Förderungen herrscht immer noch der hart­näckige Irr­glaube, dass nur große Sanierungen gefördert werden", weiß Silke Kulka aus Erfahrung. "Das ist nicht der Fall. Deswegen suchen wir für Interessierte genau die Förderungen heraus, die sie für das an­stehende Projekt benötigen."
Wichtig für alle Förderungen sei, die ent­sprechen­den Anträge früh­zeitig und vor Beginn der Bau­maßnahme zu stellen. Wer das vergisst, dem bleibe am Ende die in­direkte Förderung über die Ein­kommen­steuer­erklärung.

Ansgar Alm, Diplom-Ingenieur Architekt, und Silke Kulka, Diplom-Ingenieurin, beraten Interessierte individuell. Ihr Ziel ist immer, pass­genaue In­for­mationen und auf das Projekt zu­ge­schnittene Förderungen heraus­zu­suchen: „Jedes Gebäude ist anders und auch die Bedürf­nisse der jeweils Rat­suchen­den“, sagen die beiden.

Weitere Informationen unter: www.essen.de/klimatreff


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