Schaudepot des Ruhr Museums | Umbau der ehemaligen Salzfabrik
Architektur: planinghaus architekten BDA | Daube Seegräber PartG mbB, Darmstadt
Bauherrschaft: Stiftung Zollverein, Essen
Der Preis wurde in diesem Jahr - nach 2010, 2015 und 2020 - zum vierten Mal ausgelobt. In der Gesamtschau geben die Ergebnisse einen guten Überblick über das aktive Baugeschehen in unserer Stadt und belegen, dass qualitätvolle Architektur nicht nur eine Leistung der beteiligten Architektinnen*Architekten, sondern gleichermaßen auch der Bauherrschaft ist. Auch diese gute Zusammenarbeit will die Stadt Essen durch den Architekturpreis honorieren.
Zur Beurteilung der eingereichten Arbeiten wurden folgende Kriterien maßgeblich herangezogen:
31 eingereichte Projekte standen zur Wahl. Zur Bewerbung zugelassen waren Bauwerke, Gebäudegruppen und Quartiere aller Art und Nutzung, die in der Zeit vom 6. November 2020 bis zum 12. Dezember 2025 fertiggestellt worden sind und sich im Gebiet der Stadt Essen befinden.
Stimmberechtigte Mitglieder der Jury waren:
Die Jurysitzung fand unter der Leitung von Prof. Christa Reicher am 4. Februar 2026 im Kokskohlenbunker der Zeche Zollverein statt.
Im Rahmen des Architekturpreises der Stadt Essen 2025 vergibt die Jury eine Auszeichnung und vier Anerkennungen:
Die Revitalisierung und Transformation der als Betonskelettkonstruktion errichteten ehemaligen Salzfabrik zum Schaudepot vor der Industriekulisse der Kokerei des UNESCO Welterbes Zollverein besticht durch die konsequente Integration der in der Baustruktur angelegten Potenziale in die Umbauplanung. Sparsame, aber gezielt gesetzte Eingriffe machen die historische Substanz erlebbar und nutzbar. Durch Beibehaltung der offenen Grundrissstruktur und der vorhandenen Lufträume gliedern sich die Geschosse in drei Bereiche, die zurückhaltend, offen und übersichtlich das Sammlungsgut präsentieren. Es gelingt so eine übersichtliche und faszinierende Sichtbarmachung der Bestände des Ruhr Museums, die zudem durch ihre unprätentiöse, technisch einfache und klar gegliederte Ausstellung überzeugt. In der Beibehaltung der geradezu „ruppigen“ Grundstruktur und ihre Inszenierung durch die monochrome und zurückhaltende Farbgebung erfährt das Sammlungsgut einen neutralen Hintergrund und kommt dadurch umso mehr zur Geltung. Mit der Auszeichnung ‚Architekturpreis Essen‘ würdigt die Jury einen Bau, der in seinem Respekt vor und seinem Umgang mit historischer Bausubstanz einen herausragenden Beitrag zur Baukultur leistet und sich in seiner disziplinierten Zurückhaltung vorbildlich in die Würde des Weltkulturerbes Zeche Zollverein einbindet.
Das Büro sehw architektur aus Berlin hat es, in Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft der Stadt Essen, in vorbildlicher Weise verstanden, ein modernes pädagogisches Konzept für die Gesamtschule umzusetzen.
Insbesondere die Auflösung der Gebäudemasse in differenzierte Baukörper lässt dies sehr gut erkennen, wobei die Gliederung der Gebäudefigur die innenräumliche Organisation widerspiegelt. So wurden thematisch geordnete Raumfamilien in Gebäudeeinheiten zusammengefasst und über eine zentrale Erschließungsachse miteinander verbunden.
Der sogenannte "Schulboulevard" ermöglicht somit eine einfache Orientierung innerhalb des Gebäudes, was durch die wechselseitige, aber übersichtliche Anordnung der einzelnen Clustereinheiten noch unterstützt wird. Der so gegliederte Gesamtbaukörper fügt sich auch mit seinen Freiflächen, denen die Jury mehr Grün und weniger Versiegelung gewünscht hätte, gut in den städtebaulichen Kontext ein.
Der Schulbau tritt mit seiner einheitlichen Fassade aus hellem, geschlämmtem Klinker angenehm zurückhaltend, die Baumasse eher beruhigend auf. Das clusterbezogene Farbkonzept im Inneren der Schule gibt Orientierung.
Dem in Anlehnung an den Passivhausstandard realisierten Projekt ist es gelungen, die EnEV 2016 um 20 % zu unterschreiten. Das Gebäude wurde mit „"BNB Silber" zertifiziert.
Insgesamt setzt das Schulgebäude Maßstäbe für eine Bildungslandschaft der Zukunft.
Der Umbau der ehemaligen Heldenbar des Grillotheaters zu einem multifunktionalen Theaterraum stellt einen sehr gelungenen zeitgenössischen Beitrag zum Thema "Bauen im Bestand" dar.
Der kleine Theatersaal innerhalb der Kubatur des Bestandsgebäudes stärkt die Identität des ikonischen Gebäudes und ergänzt den Kulturbau um dringend benötigte Flächen. Dabei handelt es sich um eine Aufgabe, vor der viele deutsche Theaterbauten stehen.
Die äußerst variable Bespielbarkeit wird positiv hervorgehoben. Dank der 61 Scherenhubpodien ist eine völlig freie Bühnenanordnung möglich. Bislang sind acht Bestuhlungsvarianten baurechtlich genehmigt. Dies ermöglicht zukunftsoffene Nutzungen und Inszenierungen. Der sensible und zurückhaltende Umgang mit dem Innenausbau zeigt die Ambition, dem Raum "Wohlfühlcharakter" zu geben und gleichzeitig die benötigten akustischen Qualitäten zu gewährleisten.
Bei der Fassadensanierung der Hauptpost in Essen wurde eine qualitätsvolle Bestandssanierung umgesetzt. Die Gestaltqualität orientiert sich konsequent an der identitätsstiftenden ursprünglichen Architektur und ist in ihrer Klarheit und Selbstverständlichkeit besonders hervorzuheben.
Der Umgang mit dem Bestand erfolgt äußerst behutsam. Die bestehende Fassade wurde originalgetreu instandgesetzt; Klinker- und Natursteinmaterialien konnten weitestgehend erhalten und wiederverwendet werden. Dieser materialschonende Ansatz zeugt von großer Wertschätzung gegenüber dem Bestand und von hoher handwerklicher Präzision.
Die Funktionalität des Gebäudes wurde durch sorgfältig entwickelte, hervorragende handwerkliche Lösungen nachhaltig verbessert, ohne das architektonische Erscheinungsbild einzuschränken. Die minimalinvasive Herangehensweise stellt das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder her und erreicht mit einem äußerst reduzierten Materialeinsatz eine hohe gestalterische Qualität.
Insgesamt leistet das Projekt einen architektonisch und konstruktiv überzeugenden Beitrag von hoher ökologischer Qualität. Durch die konsequente Bestandserhaltung, den minimalen Materialeinsatz und die präzise Ausführung wird der Wert einer zurückhaltenden, am Bestand orientierten Architektur überzeugend demonstriert.
Die Entscheidung der Pfarrgemeinde St. Lambertus, die Kirche St. Theresia aus dem Jahr 1958 nicht abzureißen, sondern zu erhalten und für ihre Zwecke multifunktional umzubauen, wird ausdrücklich gewürdigt. Mit einem Nutzungsmix aus Kita, Gemeindezentrum, Bücherei und Kapelle ist ein interessanter Stadtbaustein entstanden, der zu einer Adresse für die Nachbarschaft geworden ist und gleichzeitig in diese ausstrahlt. Der Kirchturm ist erhalten und wirkt als Hochpunkt nach wie vor identitätsstiftend.
Der ehemalige Kirchenraum mit seinem kreuzförmigen Grundriss ist durch den Einbau von weiteren Ebenen zu einem dreigeschossigen Baustein mit sich ergänzenden Nutzungen entwickelt worden. Durch eigene Zugänge von außen und einen Erschließungskern werden klare Adressen und eine barrierefreie Erschließung geschaffen. Den Kern bildet die Kita, organisiert über zwei Ebenen und gruppiert um das Kirchenschiff. Großzügige Öffnungen in den Zwischendecken und ein Glasdach gewährleisten eine natürliche Belichtung und schaffen eine attraktive Mitte.
Gestalterisch sind der Gebäudebestand und die neuen Interventionen gut ablesbar:
Alle neuen Fensteröffnungen sind mit einer Einfassung aus anthrazitfarbigem Metallblech versehen, genauso wie die eingeschobenen Bauteile an den Kopfseiten des kreuzförmig strukturierten Gebäudes. Ehemalige Ausstattungselemente wie Leuchten, Taufbecken, Verglasungen u. a. werden wiederverwendet und erinnern an die vorherige Nutzung und Gestaltung der Kirche.
Mit dem gelungenen Umbau haben die Katholische Pfarrgemeinde St. Lambertus als Bauherr und die Architekt*innen unter Beweis gestellt, dass es sich lohnt, kreativ mit dem Bestand umzugehen. Insgesamt stellt das Projekt einen Beitrag dar, der bei ähnlichen Fragestellungen im Umgang mit leergefallenen Kirchengebäude zur Nachahmung ermutigen sollte.
Um die öffentliche Diskussion über die Baukultur in Essen anzuregen, wurde im Rahmen des Architekturpreises der Stadt Essen 2025 zum zweiten Mal ein Publikumspreis vergeben. Vom 4. Februar 2026 bis 4. März 2026 war die interessierte Öffentlichkeit eingeladen, ihr Urteil zu den Einreichungen des Architekturpreises der Stadt Essen 2025 abzugeben und ihre Favoriten für den Publikumspreis zu wählen. Insgesamt wurde 1688 Mal abgestimmt.
Der Architekturpreis Essen 2025 wurde mit freundlicher Unterstützung der folgenden Spender*innen und Sponsor*innen vergeben:
Allbau Managementgesellschaft mbh,
Brockhoff GmbH,
Geno Bank Essen e.G.,
Messe Essen GmbH,
Sparkasse Essen sowie
Stadtwerke Essen AG.