Gestaltungssatzung Innenstadt

Gestaltqualität Essens auf dem Prüfstand

In der Innenstadt gibt es viele Gebäude mit gestalterischen Qualitäten, die in Zukunft stärker in Szene gesetzt werden sollen. Zugleich gibt es stellenweise sichtbare Gestaltungsmängel - etwa bei Fassaden, überfrachteten Werbeanlagen oder Außengastronomien. Unter Einbezug der Öffentlichkeit soll daher nun eine Gestaltungssatzung für den Stadtkern erarbeitet werden, die das Erscheinungsbild langfristig verbessern soll.

Akteursworkshops und Online-Umfrage

Zur Entwicklung von Gestaltungsleitlinien haben am 26. März 2026 mehrere Akteurs-Workshops mit Eigentümer*innen, Händler*innen und Gastronom*innen stattgefunden. Ziel der Workshops war es, aufbauend auf den Ergebnissen der Stadtbildanalyse, die vom beauftragen Büro Reicher Haase Assoziierte (RHA) durchgeführt wurde, mit den Akteurinnen*Akteuren in den direkten Austausch zu gehen. Es wurden gestalterische Leitlinien diskutiert, konkretisiert und auf ihre Praxistauglichkeit geprüft.

Ergänzend zu den Vor-Ort-Workshops konnten Interessierte aus der Stadtgesellschaft in der Zeit vom 27. März 2026 bis einschließlich 24. April 2026 bei der Online-Umfrage "Gestaltungsleitlinien Innenstadt" teilnehmen. Insgesamt haben über 630 Personen an der Online-Umfrage teilgenommen.

Wie geht es weiter?

Im nächsten Schritt werden die Ergebnisse der Akteurs-Workshops sowie der Online-Umfrage zusammengeführt und ausgewertet. Eine Aufbereitung der Ergebnisse der Online-Umfrage erfolgt und wird ebenfalls auf der Projektwebsite zur Verfügung gestellt.

Die Gestaltungsleitlinien werden vor diesem Hintergrund geschärft und bilden die Ziele und Grundsätze der zukünftigen Gestaltungssatzung bzw. des Satzungsentwurfs.

Gestaltungsleitlinien – Was ist das?

Gestaltungsleitlinien sind Empfehlungen. Sie geben Orientierung und Anregung für Bauherrinnen*Bauherren, Architektinnen*Architekten und Eigentümerinnen*Eigentümern, wie Gebäude und Freiräume sinnvoll und qualitätvoll gestaltet werden können. Die Leitlinien bilden oft die Grundlage für eine Gestaltungssatzung, sind im Gegensatz zur Satzung jedoch nicht rechtlich bindend.

Gestaltungssatzung - Was ist das?

Eine Gemeinde kann für bestimmte Teile des Gemeindegebietes durch Satzung zur Sicherung gestalterischer Qualitäten Vorschriften zur äußeren Gestaltung von baulichen Anlagen erlassen. Rechtsgrundlage für die Aufstellung einer Gestaltungssatzung ist § 89 der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW). Gestaltungssatzungen haben mehrere Ziele: Zum einen geht es darum, wertvolle Architektur zu bewahren. Zum anderen sollen sie den einheitlichen Umgang mit prägenden Elementen des Stadtbilds gewährleisten und so eine Harmonisierung bestehender und neuer baulicher Anlagen herstellen. Dazu können die Satzungen zum Beispiel Regelungen zur Gestaltung einzelner Bauteile treffen. Das können etwa Fassaden, Fenster und Türen oder Dächer sein. Zudem können durch eine Satzung auch Sondernutzungen im öffentlichen Raum - zum Beispiel Werbeanlagen oder das Erscheinungsbild von Außengastronomie - geregelt werden.

Öffentliche Auftaktveranstaltung

Die öffentliche Auftaktveranstaltung am 18. Juni 2025 war das erste Beteiligungsformat des gerade erst angestoßenen Erarbeitungsprozesses der Gestaltungssatzung Innenstadt. Er bot Bürgerinnen*Bürgern, Eigentümerinnen*Eigentümern, Händlerinnen*Händlern, Gastronominnen*Gastronomen und weiteren Interessierten die Möglichkeit, sich über Anlass und Ziel der Gestaltungssatzung zu informieren. Zudem wurde in der öffentlichen Auftaktveranstaltung ein Stimmungsbild zu Gestaltungsfragen eingeholt und ein Raum für Rückfragen geschaffen. Ziel des Projektes ist es, die Stadtgestalt der Essener Innenstadt zu bewahren und weiterzuentwickeln - und sie somit gestalterisch als Einkaufs-, Wohn-, Gastronomie-, Kultur- und Bildungsort zu stärken. Dafür sind auch die Perspektiven und Ideen der Akteurinnen*Akteure vor Ort entscheidend.

Ergänzend zur Auftaktveranstaltung fand ein Stadtspaziergang durch die Essener Innenstadt statt. Robert Welzel, Vorstandsmitglied des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen e. V., führte die Interessierten entlang der Kettwiger Straße und stellte die Geschichte und Besonderheiten ausgewählter Architekturbeispiele vor.

Informationen zur Zeitplanung

Die Essener Innenstadt im Wandel der Zeit

Die Essener Innenstadt zeigt auf kleinem Raum ein vielfältiges Stadtbild und unterschiedliche historische Epochen - vom mittelalterlichen Stadtgrundriss mit Plätzen wie Salzmarkt, Weberplatz oder Kornmarkt bis zur modernen Hochhaus-Skyline. Zeugnisse der industriellen Blütezeit wie das Grillo-Theater, die Alte Synagoge oder die Lichtburg spiegeln Reformarchitektur, Expressionismus und Neues Bauen. Auch der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg hat Spuren hinterlassen: Trotz knapper Mittel entstanden markante Bauten der Ruhrmoderne wie z. B. das Heroldhaus oder das Haus der Evangelischen Kirche. Ab den 1960er Jahren prägen Hochhäuser das Bild der wachsenden Dienstleistungsstadt. Nicht nur bekannte Denkmäler erzählen diese Geschichte - auch die Alltagsarchitektur zeigt eindrücklich, wie sich die Innenstadt über die Jahrzehnte gewandelt hat.

Diese Entwicklungen sind prägend für das Stadtbild von heute. Die Betrachtung der historischen Entwicklung Essens ist der erste Schritt im Arbeitsprozess und bildet neben der Erarbeitung von Leitlinien die Grundlage für die Erstellung der Gestaltungssatzung. Die Stadt Essen wird sich dieser Aufgabe in den nächsten rund eineinhalb Jahren widmen und die Öffentlichkeit laufend in den Prozess einbinden.

Baukultur, Stadtgestaltung und Stadtbildpflege, Leitung

Frau Brinkhoff, Vanessa
weitere Informationen (Sprechzeiten, Anschrift, Dienstleistungen...)

Baukultur, Stadtgestaltung und Stadtbildpflege

Frau Müller, Anna-Lena
Herr Shooshtari, Arwin
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