Die Projekte "Grün-blaues Innenstadtband" und "Umgestaltung Marktkirchenumfeld" gehören zu den zentralen Leitprojekten des Integrierten Entwicklungskonzepts (IEK) "Zukunft.Essen.Innenstadt". Mit ihnen verfolgt die Stadt Essen das Ziel, die Innenstadt langfristig klimaangepasst, lebendig und attraktiv weiterzuentwickeln.
Im Rahmen eines freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs werden die im IEK formulierten Leitideen für die Qualifizierung des öffentlichen Raums in der Kettwiger Straße, der Viehofer Straße sowie im Umfeld der Marktkirche konzeptionell vertieft und umsetzungsorientiert ausgearbeitet. Gesucht wird ein qualitativ hochwertiges Gesamtkonzept, das nach Abschluss des Wettbewerbs weiterentwickelt und schrittweise realisiert werden kann.
Der Betrachtungsraum erstreckt sich vom Willy-Brandt-Platz über die Kettwiger Straße und das Marktkirchenumfeld bis zur Viehofer Straße und zum Viehofer Platz. Das "Grün-blaue Innenstadtband" soll künftig klar erkennbar und für Besucher*innen erlebbar sein. Zusätzliche Grünflächen, neue Bäume und der sichtbare Einsatz von Wasser sollen dazu beitragen, dass die heutigen Einkaufsstraßen nicht nur als Durchgangsräume wahrgenommen werden, sondern sich zu attraktiven Aufenthaltsorten mit hoher städtebaulicher Qualität entwickeln.
Mit dem Wettbewerb verfolgt die Stadt Essen mehrere Ziele: Die Innenstadt soll ökologisch aufgewertet werden, etwa durch mehr Begrünung, weniger versiegelte Flächen und einen verbesserten Umgang mit Regenwasser. Gleichzeitig soll auf die zunehmende Hitzebelastung in den Sommermonaten reagiert und das Stadtklima durch Schatten, Verdunstung und kühlende Effekte von Wasser verbessert werden. Darüber hinaus soll die Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Teil der Innenstadt gestärkt werden. Die öffentlichen Räume sollen vielfältig nutzbar sein und Begegnungen für Menschen aller Altersgruppen ermöglichen.
Das Plangebiet liegt im zentralen Innenstadtbereich von Essen, nördlich des Hauptbahnhofs. Es erstreckt sich vom Willy-Brandt-Platz über die Kettwiger Straße und das Marktkirchenumfeld bis zur Viehofer Straße und zum Viehofer Platz. Mit einer Länge von rund 1,2 km und einer Fläche von etwa 20.000 m² ist es Teil des rund 73 ha großen Innenstadtgebiets. Der Raum ist stark frequentiert und geprägt durch Einzelhandel, Gastronomie, kulturelle Einrichtungen und öffentliche Flächen. Er bildet das Rückgrat des städtischen Fußgänger- und Handelsnetzes und hat hohe Bedeutung für die Vernetzung der Innenstadt.
Das Gebiet ist in drei räumlich und funktional eng verknüpfte Teilbereiche gegliedert:
Das Plangebiet weist überwiegend versiegelte Oberflächen aus Pflaster- und Betonsteinbelägen auf. Die Ausstattung des öffentlichen Raums ist uneinheitlich, Sitzgelegenheiten sind nur punktuell vorhanden, Möblierungen teilweise älter und Beleuchtungselemente stammen aus früheren Sanierungsphasen. Sondernutzungen wie Außengastronomie, Warenauslagen oder temporäre Informationsstände prägen das Erscheinungsbild und wirken sich räumlich und gestalterisch auf die Nutzung aus. Insgesamt zeigt das Plangebiet eine heterogene Struktur, die Defizite in Aufenthaltsqualität, Ausstattung und Begrünung aufweist, aber gleichzeitig vielfältige Ansatzpunkte für eine funktionale, atmosphärische und klimaresiliente Weiterentwicklung bietet.
Die Durchführung eines freiraumplanerischen Wettbewerbs gewährleistet eine faire, transparente und rechtssichere Vergabe von Planungsleistungen. Wettbewerbsverfahren folgen klar definierten Regeln und Prinzipien, darunter die Gleichbehandlung aller Teilnehmenden, eine eindeutige Aufgabenstellung, angemessene Preisgelder sowie die Bewertung der Entwürfe durch ein fachlich qualifiziertes Preisgericht. Die am Wettbewerb beteiligten Planungsbüros erarbeiten ihre Entwürfe mit der Perspektive einer späteren Beauftragung. Der ausgewählte Sie-gerentwurf bildet die Grundlage für die weitere planerische Ausarbeitung und Umsetzung.
Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Wettbewerbsverfahrens. Ziel ist es, Hinweise, Erfahrungen und Erwartungen aus unterschiedlichen Perspektiven in die Aufgabenstellung einfließen zu lassen. Die Ergebnisse der Beteiligung werden sorgfältig ausgewertet und bilden einen wichtigen Baustein der Wettbewerbsunterlagen.
Stakeholder-Gespräche
Im Vorfeld wurden Fachgespräche mit zentralen Akteurinnen und Akteuren aus dem Plangebiet geführt. Dazu zählten unter anderem die EVV Verwertungs- und Betriebs GmbH (Wochenmarkt an der Marktkirche), der Handelsverband NRW Ruhr e. V., die Industrie- und Handelskammer (IHK), das Bistum Essen, die Evangelische Gemeinde der Marktkirche, Vertreter*innen der Gastronomie sowie Akteurinnen*Akteure aus der Viehofer Straße. Ziel war es, fachliche Einschätzungen, Anforderungen und lokale Kenntnisse frühzeitig einzubeziehen.
Online-Beteiligung
Vom 9. Februar bis 27. Februar 2026 bestand die Möglichkeit, über eine interaktive Karte Hinweise und Anregungen zur Gestaltung der Kettwiger Straße, der Viehofer Straße und des Marktkirchenumfelds einzubringen. Beiträge konnten räumlich verortet und thematisch zugeordnet werden, etwa zu Aufenthaltsqualität, Begrünung, Klima, Nutzungen oder Barrierefreiheit. Insgesamt wurden knapp 100 Einträge eingegeben und somit zahlreiche wertvolle Hinweise und Anregungen zur Neugestaltung der zentralen Innenstadt eingebracht.
Stadtspaziergang und Planungswerkstatt
Am Mittwoch, 25. Februar 2026, fand zwischen 16 bis 17 Uhr ein geführter Stadtspaziergang mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern durch das Plangebiet statt. Dabei wurden räumliche Qualitäten und Herausforderungen direkt vor Ort thematisiert. An vier Stationen im Plangebiet hatten die Anwesenden die Gelegenheit, Ihre Erfahrungen, Ideen und Wünsche für eine zukünftige Neugestaltung einzubringen und konkrete Fragen zu stellen. Im Anschluss folgte ab 18 Uhr eine Planungswerkstatt in der Kreativ-Kathedrale TRUDI (Pferdemarkt 3, 45127 Essen). In der Planungswerkstatt wurden der Ablauf und die Aufgabenstellung des Wettbewerbs erläutert. An fünf Themen wurden zudem Anforderungen und Bedürfnisse zu den Schwerpunkten "Grün", "Aufenthalt und Atmosphäre", "Nutzungen", "Wasser und Klima" und "Barrierefreiheit und Mobilität" in Kleingruppen diskutiert.
Die Ergebnisse aller Beteiligungsformate wurden durch Mitarbeitende des Amts für Stadtplanung und -entwicklung sowie durch das Büro ISR – Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH gesichtet und ausgewertet. Die Dokumentation zu den Beteiligungsformaten wird den Wettbewerbsteilnehmenden zur Verfügung gestellt, sodass die eingebrachten Hinweise und Anregungen in die Ausgestaltung der Wettbewerbsaufgabe einfließen.
Nach Abschluss des Wettbewerbs und Auswahl eines Siegerentwurfs durch eine Jury ist eine öffentliche Ausstellung aller eingereichten Arbeiten vorgesehen. Neben den Entwürfen werden auch die Entscheidungsgründe des Preisgerichts dokumentiert.
In der Essener Innenstadt zeigen sich die Auswirkungen des Stadtklimas besonders deutlich. Über 70 Prozent der Flächen sind durch Gebäude, Straßen und Plätze versiegelt. Gleichzeitig gibt es nur wenige schattenspendende Strukturen und vergleichsweise wenig Grün. Diese Rahmenbedingungen begünstigen eine hohe Hitzebelastung, insbesondere an Sommertagen.
Versiegelte Oberflächen speichern Wärme und geben sie nur langsam wieder ab. Dadurch entsteht ein sogenannter Wärmeinseleffekt, der zu hohen Temperaturen am Tag und zu unzureichender Abkühlung in der Nacht führt. Für viele Menschen wird der Aufenthalt im öffentlichen Raum dadurch zunehmend belastend. Um die klimatische Situation fundiert zu analysieren, hat das Umweltamt der Stadt Essen im Herbst 2025 gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) ein hochaufgelöstes stadtklimatisches Simulationsmodell erarbeitet. Das Modell bildet die Bedingungen des heißesten Tages im Jahr 2024 (12. August) ab und berücksichtigt dabei die Wirkung von Bebauung und Vegetation. Die Simulation ermöglicht differenzierte Aussagen zur Lufttemperatur, zur Oberflächentemperatur und zur gefühlten Temperatur im Tagesverlauf. Die Ergebnisse verdeutlichen den bestehenden Handlungsbedarf und liefern wichtige Grundlagen für die Aufgabenstellung des Wettbewerbs.
Der im Wettbewerb ausgewählte Siegerentwurf bildet die Grundlage für den Förderantrag im Rahmen der Städtebauförderung von Bund und Land. Im Anschluss erfolgt die weitere planerische Ausarbeitung sowie die schrittweise bauliche Umsetzung der Maßnahmen.