Das Netzwerk Essstörungen Essen vernetzt Fachkräfte aus Prävention, Beratung und Behandlung. Ziel ist der fachliche Austausch, die Weiterentwicklung der Versorgung sowie die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Essstörungen.
Netzwerk Essstörungen Essen
Wer wir sind
Essstörungen - ein Überblick
Essstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und beginnen oft im Jugendalter. Sie können jede Person betreffen. Zu den wichtigsten Formen gehören Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Binge-Eating-Störung sowie weitere und gemischte Ausprägungen. In den letzten Jahren rücken zudem die Muskeldysmorphie und ARFID (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder) in den Vordergrund.
Die Ursachen einer Essstörung sind vielfältig und reichen von psychischen Belastungen über soziale und kulturelle Einflüsse bis hin zu biologischen und genetischen Faktoren.
Psychosomatische Erkrankung, bei der die Nahrungszufuhr auf ein Minimum reduziert wird und begleitend gegenregulatorisches Erbrechen oder ein erhöhter Bewegungsdrang auftreten können. Die betroffenen Personen sind an einer Körperschemastörung erkrankt, bei der sie sich trotz Untergewicht als zu dick wahrnehmen.
Die Betroffenen leiden an einer Ess-Brechsucht. Typische Merkmale sind Heißhungerattacken mit anschließendem selbst-induziertem Erbrechen, Hungern oder der Missbrauch von Abführ- und Brechmitteln.
Ist die am häufigsten verbreitete Essstörung. Die Betroffenen leiden unter Heißhungerattacken, allerdings ohne Gegenregulation. Sie nehmen innerhalb kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich und verlieren die Kontrolle über ihr Essverhalten. So entwickelt sich oftmals begleitend eine Adipositas.
Überwiegend sind männliche Personen betroffen, die den eigenen Körper als nicht schlank oder fettfrei genug oder zu wenig muskulös bei objektiv gut bis extrem ausgebildeter Muskulatur empfinden. Damit verbunden sind häufig exzessives Kraftttraining und strenge Einhaltung von Ernährungsregeln.
Neu im Diagnosesystem ist unter anderem ARFID (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder), bei der bestimmte Lebensmittel stark vermieden werden, ohne dass eine klassische Magersucht vorliegt. Die Betroffenen sind in Menge oder Vielfalt der Nahrungsaufnahme stark eingeschränkt.
Häufigkeit und Entwicklung
Auch wenn genaue Zahlen zur Krankheitsverteilung nur schwer zu bestimmen sind, wird davon ausgegangen, dass in westlichen Ländern schätzungsweise 5,5–18 % der jungen Frauen und bis zu 2 % der jungen Männer bis zum frühen Erwachsenenalter von einer Essstörung betroffen sind (Wunderer et al., 2024).
Laut Kaufmännischer Krankenkasse (KKH) hatten im Jahr 2023 in Deutschland schätzungsweise 460.000 Menschen eine diagnostizierte Essstörung. Besonders betroffen waren Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren: Die Zahl der Fälle stieg in dieser Altersgruppe seit 2019 um rund 50 Prozent. Zudem wurden 12.100 stationäre Behandlungen aufgrund von Essstörungen registriert; 93 Prozent der behandelten Personen waren Frauen (KKH, 2025).
Nach der Covid-19 Pandemie war ein deutlicher Anstieg an Diagnosen zu beobachten. Dabei könnten die Nutzung sozialer Medien und die verstärkte Isolation Risikofaktoren für Ersterkrankungen und Rückfälle sein. Zudem kann die intensive Nutzung sozialer Medien zu verzerrten Körperbildern und unrealistischen Schönheitsidealen beitragen.
Wichtig zu erwähnen ist, dass insbesondere bei Jungen und Männern von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist, da Essstörungen bei Ihnen häufiger unter-/fehldiagnostiziert werden.
Wege aus der Essstörung
- Kinder- und Jugendarztpraxis oder Hausarztpraxis
- Praxis für Kinder - und Jugendpsychiatrie
- Erziehungsberatungsstellen
- Beratungsangebote der Wohlfahrtsverbände
- Frauenberatungsstellen
- Online-Beratungsangebote
- Ambulante Psychotherapie
- Teilstationäre Behandlung
- Stationäre Behandlung
- Wohngruppe
- Selbsthilfegruppe
- Ambulante Nachsorgeangebote
Warum Vernetzung wichtig ist
Eine wirksame Prävention und Behandlung erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Durch Vernetzung werden Informationen gebündelt, Hilfsangebote transparenter gemacht und Betroffene schneller in passende Unterstützung vermittelt – das kann Leidenswege deutlich verkürzen.